Feuchte Hände für einen guten Zweck

Am 26.06.2015 war ich zum ersten Mal Gast einer Charity-Veranstaltung, dem Showtalk. Ein Event, welches zum einen natürlich unterhalten will und zum anderen die Mukoviszidose Selbsthilfe Sachsen-Anhalt unterstützt.

 

Auch die Presse war anwesend und so verlinke ich HIER an dieser Stelle einfach noch den Artikel dazu, da gibt es dann auch detaillierte Hintergrundinfos.

 

Wie war es für mich als Binegra? - Schön, Ja! Interessant, witzig und es war wieder eine neue Erfahrung. Ich fühlte mich teilweise ein klein wenig verloren, denn ich war (scheinbar als Einzige) allein zur Veranstaltung gekommen. Und wer mich kennt, weiß, dass ich mehr die Beobachterin bin, die sich eher zurückhält. Ich habe jedoch meine Komfortzone wieder einmal verlassen und ich bin mit vielen der Künstler und Organisatoren ins Gespräch gekommen. - Alle wirklich ausnahmslos, sehr nette Leute. Da kann man nichts sagen.

Zum ersten Mal habe ich zu einem Halbplayback gesungen, mich also nicht auf der Gitarre begleitet, sondern zur Musik vom Band gesungen. Das ging auch ganz gut soweit, bis ich den Einsatz zu meinem Erdbeersaftlied (der Song heißt „Entscheiden“) verpasste, weil ich ihn einfach nicht hörte im Trubel. Da musste ich dann etwas improvisieren, aber angeblich hat es niemand gemerkt. Naja, jetzt ist es raus und alle Welt weiß Bescheid. Na und. Das hat mich zwar ein wenig geärgert, da bin ich dann auch selbstkritisch, aber so ist das eben. Beim nächsten Mal wird es besser.

 

Ich nahm jedenfalls sehr aufgeregt auf der Couch beim Moderator André Holst Platz und begrüßte ihn mit einem feuchtfröhlichen Händedruck. Ja, so aufgeregt bin ich sonst nicht, das gebe ich zu. War es die Tatsache, dass ich wirklich auf mich allein gestellt war? Oder die Tatsache, dass dort Promis, also alte Hasen aus der Branche, anwesend waren? Ich weiß es nicht. Sonst lasse ich mich ja nur schwer aus der Ruhe bringen. Dieses Mal war es wirklich haarig. Aber die Plauderei mit André auf der Couch war sehr kurzweilig und gab mir ein wenig Lockerheit zurück. Sehr netter Typ, der überraschend locker und witzig ist, und wie sich herausstellt, Fischstäbchen liebt. Wer hätte das gedacht.

 

Meine Eindrücke am Abend waren sehr gemischt. Ich konnte viel lernen. Es waren wie gesagt alte Hasen aus dem Showgeschäft da (ich beziehe mich nicht auf das Alter), als auch Newcomer wie ich.

 

Es tauchte wieder mal die Frage auf, ob man als Newcomer nicht zu DSDS & Co gehen sollte. Ehrlich? Hm. Meine Meinung dazu habe ich glaube ich schon einmal kundgetan. Ich denke nicht, dass es langfristig etwas bringt. Im Gegenteil. Man muss sich nach etlichen Skandalen fast fürchten, eine fiese Rolle aufgedrückt zu bekommen und steht am Ende mit „versautem Image“ da. Nein, das muss wirklich nicht sein. Sicher wird man dadurch auch erst mal etwas bekannter...aber im Ernst...ich bin so unscheinbar, dass man mich im Fernsehen wahrscheinlich übersehen würde. Lach... Auch Peter Schilling hat sich im Interview zu diesem Thema geäußert und betonte, dass jeder seinen eigenen Weg gehen müsse. Außerdem stellt sich auch wieder die Frage, inwieweit ein Künstler bei einer Castingshow im TV wirklich gut aufgehoben ist. Sicher sind Contests ein guter Weg, um Aufmerksamkeit zu erlangen und die Bekanntheit zu steigern, doch denke ich, dass gerade Castingshows, die jedes Jahr im Fernsehen zu sehen sind, wenig am Erfolg des Künstlers interessiert sind. Da geht es einfach um Einschaltquoten und Geld. - Das schnelle Geld. Man wird an Knebelverträge gekettet und verheizt. Klingt brutal, aber ich denke, dass es das am Ende auch ist. Selbst wenn man dort mitmacht und alles „gut“ geht, ist die Karriere in den meisten Fällen bereits nach kurzer Zeit vorbei und man wird fallen gelassen. Wenn ihr mich also irgendwann doch mal bei so einer Castingshow seht, dann bin ich bestimmt einfach aus purer Verzweiflung dort hingegangen. Und überhaupt, in meinem Alter... und wieso muss man immer alles so machen, wie alle anderen? Ich denke, da sollte wirklich jeder das tun, was er für richtig hält. Aber vermutlich ist dies ein Blogthema für sich. Jetzt bin ich etwas vom Showtalk abgekommen.

 

Ich wurde nach der Veranstaltung tatsächlich um Autogramme und Bilder gebeten. Für mich ist das immer irgendwie sehr befremdlich. Weil...von mir??? Echt jetzt?! Klar freue ich mich dann auch und mache das wirklich gern, aber ich hätte eben nicht gedacht, dass sich wirklich irgendjemand für mich interessieren könnte. Ich schaue lieber interessiert zu, wie die anderen „Stars“ mit Autogrammwünschen, Fragen und Fotowünschen bombardiert werden. Ich fühle mich nicht prominent und bins auch nicht und daher meine Befremdlichkeit dazu. Aber gefreut hat es mich trotzdem. Und ja, diese kleinen Gesten der Anerkennung sind es wert. Darum präsentiere ich mich und meine Musik der Öffentlichkeit. Ich will Menschen aufmuntern, unterhalten und zum Nachdenken anregen. Ein Traum, wenn man dann auch etwas zurück bekommt!

 

Der Abend war selbst außerhalb der eigentlichen Veranstaltung sehr interessant für mich. Auch gestern wurde ich mit großen Augen angesehen, als ich (nachdem ich gefragt wurde) erzählt habe, dass ich meine Songs selber schreibe, aufnehme, sogar Videos selber mache und weder Booker, Manager noch irgendjemanden habe, der irgendetwas für mich übernimmt (außer natürlich Pille, der mir hilft, meine Songs zu produzieren). Ich mach das alles selbst. Und ich könnte immer wieder innerlich „weinen“, wenn ich höre, wie überzeugt und stolz andere Interpreten sind, wie viel Auftritte sie schon hatten und welche Produzenten ihre Lieder schreiben und wer dieses und jenes für sie macht, doch sie selber singen „nur“, aber sind damit total im Stress. Ich weiß, man sollte sich nicht vergleichen, doch in dieser Branche tut man das eben. Warum ich da „weinen“ könnte? - Weil andere mit wesentlich weniger Aufwand und künstlerischer / organisatorischer Eigeninitiative wesentlich mehr erreichen bzw. schneller. Ich gönne ihnen den Erfolg natürlich trotzdem. Warum auch nicht?! Selbst wenn man dann noch so beiläufig hört, wie anstrengend auch noch die Arbeit ihrer Promoter und Manager ist und wie viel Stress die Künstler doch haben und von Termin zu Termin hetzen. Ganz ehrlich, ich will mich nicht beschweren, ich finde es gut, wie es bei mir ist. Ich mach das gern alles selbst, entscheide selbst und hab Spaß dabei. Aber als Einzelner kommt man damit eben leider nicht so schnell vorwärts wie andere Newcomer, die für jede Aufgabe jemand anderen an der Hand haben und sich eigentlich fast nur um ihre Performance kümmern müssen. Das hat jedenfalls alles seine Vor- und Nachteile. Ich reise zumindest im Schneckentempo. Vielleicht ist das ja auch der Grund, warum ich mir beim Autogrammeschreiben so fehl am Platz vorkomme? Einfach, weil ich die ganze Arbeit (ja, es ist Arbeit, auch wenn andere etwas anderes meinen) alleine mache und mich dabei nicht auf Lorbeeren ausruhen kann.

 

Ich meine, einen Assistenten, der mich begleitet, fährt, sich mit Technik auskennt und vielleicht kleine Promoarbeiten etc. übernimmt, könnte ich eigentlich auch gut gebrauchen. Aber ich muss ja demjenigen auch vertrauen können, der muss zuverlässig sein und da kann ich nicht einfach eine Annonce in der Zeitung aufgeben. Schwierig! Für den Fall, dass doch irgendjemand meinen Blog liest und sich total für diese Aufgabe als „Binegra-Assistent“ berufen fühlt, kann er oder sie sich gern bei mir bewerben.  ;-)

 

Mein Fazit zum Abend: Trotz meines mega aufgeregten Auftritts habe ich es, glaube ich, ganz gut gemeistert. Die Show war interessant und witzig. Das Publikum entsprach zwar nicht ganz meiner Zielgruppe und konnte wohl mit Schlager auch deutlich mehr anfangen. Trotzdem war es schön und ich wurde auch vom Publikum herzlich angenommen. Ich bin wieder um eine Erfahrung reicher und ich bin mit anderen tollen Künstlern ins Gespräch gekommen. Wann sitzt man schon mal gemütlich mit Harry Wijnvoord, Inge Albert, Lutz Jahoda, LaVie, Kevin & Manuel, André Holst und dem ganzen Team gemütlich zum Abendessen zusammen. Ich habe das Projekt Mukoviszidose Selbsthilfe Sachsen-Anhalt gern mit meinem Auftritt unterstützt, darum geht es ja und mein Heimweg war auch nicht weit. Wo andere Hunderte Kilometer angereist sind und Harry Wijnvoord dafür auch extra sein riesen Wohnmobil vor dem Hotel stehen hatte, stand mein Hirsch (so nenne ich mein Fahrrad) ca. 100 Meter um die Ecke entfernt und wartete geduldig darauf, mich heimzubringen.