Hier ist eine kleine Auswahl von Gedichten, die über die letzten 20 Jahre geschrieben wurden.

Alle Gedichte wurden geschrieben von Sabine Graichen.

Tagtraum

Morgens, meistens zu später Stund'
oder nachts, als ich mich zu Bett lege,
wenn mich die Melancholie überkommt
und ich meinen Gedanken nachgebe,
dann starrt meine Hülle
in diese leere Welt
und mein Geist taucht in die Fülle,
die mich am Leben hält.

 

Ich gehe auf Reisen,
kann meine Ziele schon sehen,
als wenn die Tage vorbei sind,
als wär schon alles geschehen.
Ich erlebe das Glück,
dort ist mein Traum bereits wahr.

 

Kehr ins Jetzt zurück
und weiß, die Erfüllung ist nah.
Bin so der Welt überlegen,
handle mit Herzensweisheit.
So überzeugt es zu erleben,
bin ich, mit viel Entschlossenheit.

Kalt

Kalt wie Eis, starr und weiß,
erfroren und fest, bis auf den Rest.
Der Himmel nicht blau,
ganz blass und grau,
so leblos und stumm,
nur ein Klirren geht rum.

 

So dunkel und hell,
mal langsam, mal schnell.
So hart und doch weich,
so schwer und so leicht.

 

Nur nass und doch trocken,
wehend in Flocken,
deckend den See mit Eis und Schnee.
Vereist und verziert, mit feinen Kristallen,
wollte der Winter der Welt gefallen.

Mein kleiner Planet

Ich form’ mir einen kleinen Planeten im Kopf.
Ich weiß genau, wie er sein soll.
Es gibt nur gute Menschen darauf.
Alle leben im Einklang.


Er ist ganz weit weg von uns,
in einer fernen Galaxie.
Alle sorgen dort füreinander
und erschaffen mit Fantasie.


So oft ich kann, reise ich dorthin
und tanke mich auf mit Energie.
Denn alles passiert, wie es sein soll,
allein durch unsere Magie.

Mit dem Strom

Offene Wunden sind manchmal gut,
sie betonen, was uns sehr wichtig ist.
Doch was wir brauchen, ist etwas Mut,
um zuzugeben, was für uns richtig ist.


Andere meinen uns zu kennen,
doch wissen sie absolut nichts.
Haben nicht einmal sich selbst entdeckt,
legen auf Vergleiche mehr Gewicht.


Als Sonderling wirst du ausgegrenzt,
oder zum Himmel gehoben.
Und weil du so anders bist, stellen sie fest,
sie haben sich selber betrogen.


Jahre verloren, mit dem Strom mit,
bedingungslos gefolgt.
Die Hand nie erhoben und selber gefragt,
was sie denn eigentlich wollen.

Manchmal siehst du mich so an

Ich kann dich sehen, mit geschlossenen Augen.

Traum für Traum bist du wieder bei mir.

Ich wage es kaum, dran zu glauben,

dass ich aufwach' und bin bei dir.

 

Leider bin ich auch noch sehr verhalten,

weiß auch nicht, was jetzt passiert.

Mein Leben wird sich umgestalten,

bisher hab ich mein Herz ignoriert.

 

Vielleicht ist es nur so eine "Laune",

oder ist es mir tatsächlich ernst?

Das Gefühl da in meinem Bauchraum

hat zeitweise mein Hirn abgelöst.

 

Die ganze Zeit nun, frag ich mich,

geht es dir vielleicht auch sogar so?

Oder wächst das Gefühl nur einseitig

und macht mich verletzlich und so?

 

Ich träum weiter still vor mich hin

und halte es schweigend in mir gefangen.

Vielleicht weißt du, wie ich wirklich bin,

denn manchmal siehst du mich so an.

Blicke

Sie suchen nach Nahrung,
sie durchwühlen den Raum.
Dass sie nichts finden,
glaube ich kaum.
Sie durchbohren dein Herz
und du spürst einen sanften Schmerz.
Sie stecken voller Neugier,
sie irritieren dich.
Doch dann schickst du sie selber los
und plötzlich verliebst du dich.
Und wenn sie sich treffen, vereinen sie sich.
Dann lösen sie sich voller Verlegenheit.
Aber es dauert nicht lange,
dann treffen sie sich wieder,
mit neuer Entschlossenheit.

Kleine

Große denken, Kleine handeln.
Kleine träumen, Große wandeln.

 

Große sterben, Kleine leben.
Große wissen, Kleine streben.

 

Kleine spielen, Große sagen.
Große stoppen, Kleine wagen.

 

Die Großen sind die Kleinen,
wenn sie wie sie weinen.

 

Die Kleinen könnten führen
und Große viel verlieren.

 

Große fürchten, Kleine lachen,
alles würden sie besser machen.

 

Doch die Kleinen werden groß
und die stellen dann die Kleinen bloß.

Gefühlskampf

Ich denk an dich, vermisse dich,
auch wenn ich dich nie hatte.
Mein Herz zerbricht schon innerlich.
Bin zweifelhaft geduldig, warte.


Versuche ich auch frei zu sein
und dich zu vergessen,
die Sehnsucht nach dir fesselt mich,
hat mein‘ Verstand gefressen.


Atme nur noch deinen Duft,
seh ständig nur dein Lachen
und kämpfe völlig unentschlossen,
kann jedoch nichts dagegen machen.

Für dich!

Ich wünsch mir Glück für dich,
glückliche Momente für dich.
Klopft es an deiner Tür,
dann bitte zögere nicht.

Ich wünsche mir Liebe für dich,
bedingungslose Liebe für dich.
Zeigt sie sich unverhofft,
dann bitte warte nicht.

Ich wünsche mir Kraft für dich,
endlose Kraft für dich.
Nie aufzugeben ist wichtig,
deshalb glaub an dich!

Ich wünsch mir Träume für dich,
die schönsten Träume für dich.
Lass sie wahr werden,
denn du machst es möglich.

Meine Stadt

Es brodelt und blubbert beinah stumm,

Gemüter stimmen sich still ein.

Irrwege und Pfade winden sich wie Blutbahnen

durch den Beton. Das Leben fließt hier vor sich hin.

 

Eine pulsierende Stelle in der hintersten Ecke

lässt neues Fundament erahnen. Was hier wohl entsteht?

Doch erst die Zeit wird zeigen, ob das junge neue Element

auch tatsächlich Wurzeln schlägt.

 

Sie hat sich neust in Grün gehüllt,

zeigt sich von ihrer besten Seite.

Glänzt beinah jugendlich im Sonnenschein,

lässt ihre grauen Schatten frisch aussehen.

 

Wie ein Geschwür nistet sich die Fremde in ihr ein.

Ganz gleich, wie sehr sie sich auch wehrt.

Sie ist nicht mehr dieselbe und wird

es nie mehr sein. - Und doch wächst sie insgeheim.

 

Sie ist verstimmt und mit ihr ihre graue Seele,

die nun verängstigt bangt, was kommt.

Ganz hin und hergerissen von dem Ungewissen,

schwankt sie zwischen wachsen, flüchten, sterben.

 

Sie sucht ihr Funkeln, doch hält sich bedeckt.

Ein paar Juwelen hütet sie gut und lässt sie

hier und da in weltlichem Glanz erstrahlen.

Doch ihren wahren Charm kennt nur,

wer sie mit dem Herzen sieht.